Donnerstag, März 20, 2008

Bin ick nich scheen???

Samstag, März 15, 2008

Das leben der Einen....

Ein Freund hat mir neulich so schön aus dem Herzen gesprochen. Jemand hatte ihn an einem Mittwoch um 9:00 Uhr angerufen und ihn damit geweckt. Darauf sagt er: "Merkt Euch doch mal, ich gehe einstellig schlafen und ich stehe zweistellig auf."
Bald werde ICH mir allerdings das zweistellige Aufstehen abgewöhnen müssen.
Es lebe der NINE-TO-SIX-JOB!

Hermann

Das Benutzen der öffentlichen Verkehrsmittel ist dieser Tag oft etwas mehr haarstäubend. Die Beförderungsmöglichkeiten beschränken sich auf die S-Bahn und da versammelt sich nun ALLES. Die Wahrscheinlich Kuriositäten zu begegnen steigt damit aber.

Ich hatte ihn schon lange nicht mehr in der U-Bahn getroffen, aber ich erinnerte mich noch sehr gut. Nun stand er am Bahnhof Friedrichstraße mit den anderen Fahrgästen und wartete auf die Bahn. Der Tag war für mich nicht gut gelaufen, ich war genervt und hatte üble Laune. Aber als ich Hermann – ich nenne ihn mal so, weil er wie ein Hermann aussieht – in der Menschenmasse sah, freute ich mich auf die kommenden 20 Minuten Bahnfahrt. Meine Bahn direkt über Pankow war gerade weg, also beschloss ich bis Bornholmer Straße vor- und mit Hermann mitzufahren. Ich konnte mir ein vorfreudiges Lächeln beim Einsteigen nicht verkneifen.

Hermann kennt sich gut aus. Er kennt jede Station, jede Umsteige- und Anschlussmöglichkeit und hatte alle Informationen über die aktuelle Verkehrslage beim öffentlichen Nahverkehr in Berlin parat. Und dieses Wissen teilt er den Fahrgästen gerne in Form von lauten Ansagen mit. Sollte einer der Mitfahrer also noch nicht wissen, wie lange die BVG noch im Arbeitskampf ist und warum. Hermann erzählt es. Er hat eine nette, gepflegte Erscheinung. Niemand rümpft die Nase über ihn. Niemand hat Angst vor ihm. Aber viele müssen schon in sich reinschmunzeln. Das entgeht dem aufmerksamen Hermann nicht und so geht er mit einem schelmischen Grinsen auf die Menschen zu und fragt: „Was wird den da gelacht, die junge Dame mit dem lila Schal. Das ist hier aber keine lustige Veranstaltung. - Ach, jetzt muss ich mich hier zwischen den Leuten durchdrängeln, um zu ihnen zu kommen. Ich muss ihnen jetzt einen Strafzettel ausstellen. - Ja, ja, so was kann ich nicht durchgehen lassen.“ Er ist bei der jungen Dame angekommen, holt einen kleine Block, einen Stift, einen Stempel und ein Stempelkissen raus. „So die Dame sagt mir nun mal ihren Namen. – Ah, Maria. – So, dann trage ich das hier mal ein. – Wenn sie kurz das Stempelkissen halten könnte. - Danke schön! Bitte das ist ihr Strafzettel.“ Er schaut sich um. Alle gucken betreten auf den Boden oder irgendwo hin und einer muss doch lachen. Und dann geht das Spiel weiter. Nebenbei ist Hermann natürlich auch mit den Ansagen beschäftigt. Manchmal stöhnt er sogar grinsend, dass die Fahrgäste ihm so viel Arbeit machen müssen.

Ich habe vor 1 oder 2 Jahren auch mal einen Strafzettel von ihm bekommen. Auf diesem waren nur ein paar „X“ und ein Wolken-Stempel. Die ganz U-Bahn hat sich damals mit mir „gefreut“ und ich dacht mir noch, eines Tages seid ihr auch mal dran.

Hermann scheint sich seine „Sträflinge“ zu merken. Mir hat er nie wieder einen Strafzettel ausgestellt, aber mich immer freundlich angelächelt, als wären wir Bekannte.

Ein hoch auf alle liebeswerten Chaoten dieser Stadt!!!