Freitag, Oktober 12, 2007

Zurück in Berlin...

...wurde mir wieder einmal mehr klar: DAS LEBEN IST KEIN PONYHOF!

Mittwoch, Oktober 10, 2007

Züri - Roberto Blanco - Schafe - Riesenschildkröten - Dohlen - der Fall des Rheins


Es war mal wieder dringend notwendig die Stadt bzw. das Land zu verlassen und den liebsten, besten Philipp in Züri zu besuchen. Die Stadt empfing mich mit Regenwetter und ich glaubte schon an einen bösen Willen, da mir an meinen bisherigen Urlaubstagen in diesem Jahr auch nicht viel Sonnenschein gegönnt wurde. Vielleicht war es mein eindringliches Stoßgebet oder Philipps Willenskraft, aber die Wetterlage beruhigte sich dann doch sehr schnell. Am Donnerstag verbrachte ich die ersten Stunden im Alleingang. Ein ausgiebiger Spaziergang am Zürisee brachte mich in die richtige Urlaubsstimmung. Es waren kaum Menschen unterwegs und der abgezogene Regen hinterließ eine angenehme Luft. Später kam ich auf dem Weg zum Fraumünster am Stadthaus vorbei und mir begegnete Roberto Blanco. Er wollte gerade in sein Auto einsteigen, ich schaute ihn an, grinste übers ganze Gesicht und er grinste zurück, stieg ein und fuhr fort. Da an diesem 4. Oktober nicht nur meine liebe Freundin Anne Geburtstag hat, sondern auch Welttiertag ist, hatte man in der Bahnhofshalle des Hauptbahnhofes einige echte Tiere ausgestellt. Hühner, verschiedene Kleintiere, Ziegen und Schafe. Wer mich gut kennt, kann sich die Begeisterung über letztere vorstellen. Und das waren auch besonders schöne Exemplare. Leider wäre es zu sehr aufgefallen, wenn ich eins entführt hätte. Abends durfte ich an drei Wohnungsbesichtigungen teilhaben. Die Besichtigung der vorab schon favorisierten Behausung war besonders amüsant. Der Vermieter sprach Schweizer Dialekt und würzte seine Führung mit einer guten Portion Humor. Ich verstand nicht alles, aber ich hatte viel Spaß beim Verfolgen dieser Vorstellung.

Am nächsten Tag führte mich Phil in den Zoo. Die meisten Tiere genossen offensichtlich gerade ihre Mittagspause. Nur die Riesenschildkröten (Foto) waren in Aktion. Genauer gesagt, war das Männchen im Begriff sein Weibchen im wahrsten Sinne des Wortes zu besteigen. Eine Mutter stand mit ihrem kleinen, erstaunten Jungen am Gehege und meinte: "Nun wird mein Sohn aufgeklärt.". Den Trick muss ich mir merken für die Aufzucht des evtl. eigenen Nachwuchses. Ein Gläschen Weinschorle bei Sonnenschein an der Limmat sitzend, rundete diesen Tag ab.

Nun folgte der Wandertag. Er begann mit einer Mutprobe meinerseits. Sessellift von 900 m bis auf 1.300 m ü.n.N. Ich bin so mutig und so stolz auf mich! Dann ging es per Pedes weiter bis auf 1.936 m auf den Mattsock am Walensee. Immer wieder faszinierend finde ich in diesen Höhen die Bergdohlen. Sie veranstalteten eine Flugshow, setzen sich für Fotos in Position und kamen gefährlich nah uns heran. Wollten sie vielleicht etwas von unserem Proviant? Übringens habe ich noch nie in den Wolken auf einem Berg gestanden. Das mag sicher auch daran liegen, dass ich nicht häufig die Gelegenheit habe auf so eine Höhe zu klettern (vgl. heimische Berge sind im Durchschnitt 100 m hoch). Es war ein bisschen unheimlich aber auch wahnsinnig eindrucksvoll.

Die Stadtkinder mussten abends die Füße hochlegen, denn am letzten Tag meiner Kurzreise stand ein Muss für Schweiz-Touristen auf der Tagesordnung. Der Rheinfall in Schaffhausen. Treppchen hoch - Treppchen runter - kam mir schon vor wie in Stockholm ; ). Tausende Inder waren mit uns vor Ort und eine imposante, bayrische Trachtengruppe. Der größte Wasserfall Europas ist mächtig, laut, respekteinflössend. Die Sonne schien für uns und zauberte gar einen Regenbogen über den Wasserfall. Abends sollte es dann mit dem "Luftbus" wieder Richtung Heimat gehen. Vorher noch das gute Pulver für die heiße Schoki gekauft, ein obligatorischer Abschiedskaffee bei Starbucks und ab zurück in die EU. Im Flughafen-Zug verabschiedete man sich von mir und den anderen Gästen mit Kuhglockengebimmel und "Auf Wiederlurge!" und ich war richtig traurig :-( Der Sicherheitsbeamte war sehr begeistert von meinem Mitbringsel. "Ah, sie mögen wohl heiße Schoki. Ja, ja Schoki am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen." Das gesamte Security-Personal wurde über meine Schmuggelware informiert und grinste mich an.

„Warum reisen wir? Auch dies, damit wir Menschen begegnen, die nicht meinen, dass sie uns kennen ein für allemal; damit wir noch einmal erfahren, was uns in diesem Leben möglich sei - Es ist ohnehin schon wenig genug.”
Max Frisch