Sonntag, Mai 28, 2006

...long time ago

Das böse Schwesterlein I

Meine große Schwester ist ungefähr fünf Jahre älter als ich und ihr wurde sicher oft die Obhut über mich aufgetragen. Ich hoffe heute inständig sie hat es auch manchmal ein bisschen gern gemacht, denn ich konnte ein Scheusal sein.Ich erinnere mich an eine Begebenheit dieser Art wie folgt. Meine Schwester und ich hatten mit den Puppen gespielt und unser gemeinsames Kinderzimmer in ein ordentliches Chaos verwandelt. Da die Abendbrotzeit näher kam, musste nun aufgeräumt werden. Wie jedes Mal ging auch die Diskussion über die Beteiligten an dieser Aufräumaktion heftig los. Ich wollte natürlich nicht mitmachen bei diesem lästigen Spiel und währte mich lautstark gegen die Ermahnungen meiner großen Schwester. Erpressung wirkt bei Kindern in der Trotzphase als letztes Mittel meist Wunder. Das dachte sich auch meine Schwester und drohte mir: „Wenn du jetzt nicht mithilfst, spiel ich nie wieder mit dir.“ Diese Drohung wurde allerdings nicht zum ersten Mal ausgesprochen und kleine Gören sind auch nicht blöd. Meine Antwort darauf war also: „Das machst du ja sowieso nicht wahr. Das hast du schließlich schon oft gesagt.“ Und ich verlies das Zimmer und hinterließ eine verärgerte Schwester. Kinder sind eben so.

Montag, Mai 15, 2006

Mitten in Berlin

Freitag, Mai 12, 2006

Der Straßenbahnunfall

Es war ein schöner goldener Herbsttag. Meine Mama schickte mich zum Konsum (so nannte man damals den kleinen Dorf-Supermarkt). Ich hatte den Auftrag Milch zu kaufen. Auf dem Hinweg sammelte ich einige knackig-braune Kastanien auf und stecke sie mir in die Taschen meiner Strickjacke. Im Konsum kaufte ich, wie bestellt, die Milch und machte mich auch gleich wieder auf den Heimweg. Ich blieb an der großen Dorfstrasse stehen und wartete bis die Autos und die Straßenbahn vorüber gefahren waren, schaut nach links, schaute nach rechts –alles frei, also rüber über die Fahrbahn. Aus einem mir jetzt nicht mehr schlüssigen Grund legt ich beim Überqueren eine der gesammelten Kastanien auf die Schienen der Bahn. Mein Gedanke dabei war tatsächlich, ob wohl die Kastanie die Straßenbahn zum Entgleisen bringen wird. Ich war mir wirklich nicht sicher – ich war 4 Jahre alt. Im Laufe des Tages bekam ich ein immer schlechteres Gewissen. Was würde nun passieren, wenn die Bahn umkippt und die Menschen darin auf die Seite fallen, sich weh tun. Ich malte mir ein richtiges Horrorszenario aus. Man würde mich sicher in ein Gefängnis stecken und ich wäre weit weg von Mutter und Vater. Aber es passierte natürlich nichts und auch ich lernte, das eine Straßenbahn ein gewaltiges Ding ist und eine Kastanie relativ leicht zu zerstören. Kinder sind eben so.

Samstag, Mai 06, 2006

Der kranke Frosch

Im Grunde genommen war ich fast schon ein kriminelles Kind. Es fing im Alter von schätzungsweise 4 Jahren an. Wir wohnten damals auf dem Lande in einem großen Haus, mit einem noch größeren Garten, gelegen an einem vergleichsweise kleinen Flüsschen. Da es in meiner Kindheit noch keine Spielzeugschwämme von Baby Born bis Battle Bones Transportsaurier gab, war Phantasie immer für einen ausgelassenen Spielalltag nötig. Und die hatte ich. Eines Tages kam ich beim Schlendern durch den Graten auf die Idee, Doktor spielen zu wollen. Ich war allein, hatte momentan keinen Spielkarmaraden und ich war mir sicher, dass ich auf jeden Fall die behandelnde Ärztin sein wollte. Nun galt es einen Patienten ausfindig zu machen und nach Möglichkeit einen lebendigen. Quarkvergnügt saß doch da ein Frosch von mittlerer europäischer Froschgröße im Gras. Warum sollte ich also nicht eine Froschärztin spielen? Ich untersuchte den Frosch von allen Seiten, aber er war offensichtlich nicht krank. Ich konnte keine äußeren oder inneren Verletzungen feststellen. Keinen Schnupfen, keinen Husten, kein gebrochener Froschschenkel. Also beschloss ich, dem Frosch einen kleinen Kratzer mit dem Gartenmesser zuzufügen. Dann konnte ich ihn ja schnell verbinden und er würde durch meine aufopferungsvolle Pflege schnell wieder gesund. Doch das Schicksal spielte gegen mich bzw. den Frosch. Der Schnitt war zu tief und das arme Tier musste elendig vor meinen Augen sterben.

„Denkt doch nur der Frosch ist krank,

sitzt auf einer Ofenbank,

quakt nun schon, wer weiß wie lang,

denkt euch nur der Frosch ist krank.“